Das 2007 unter dem Projekt “A Race to the Bottom” (Rennen um den letzen Platz) als “Feind der Privatsphäre” titulierte Internetunternehmen Google leistet sich nun einen weiteren Gau, denn ab sofort werden alle Suchanfragen personalisiert, ob man als Benutzer angemeldet ist, oder nicht.
Was versteht man unter “personalisierten Suchanfragen”?
Unter dem Vorhang des Services am Kunden wird nun das Suchverhalten des Benutzers analysiert und die Suchergebnisse werden dementsprechend manipuliert. Zum Beispiel sucht Ihr oft nach Gaming Hardware und somit wird in kommenden Suchanfragen ein Ergebnis mit den passenden Keywords präferiert gelistet und rutscht in den SERPs (Suchergebnissen) weiter nach oben. Das dient zwar zum einen der schnelleren Ergebnisfindung, ermöglicht es dem Suchmaschinen-Marktführer zugleich aber auch Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter, Vorlieben, soziale Kontakte und vieles mehr.
Welchen Vorteil hat Google von der Schnüffelei in meiner Privatsphäre?
Wie so oft ist die einfachste Lösung auch die richtige: Werbung. Warum soll man Rentnern ein Paintballmatch ans Herz legen, warum Kindern eine Reise auf der AIDA? Zielgerichtete Werbung erhöht die Effizienz der Werbung und damit auch die Einnahmen für den Betreiber der Werbeflächen.
Warum sollte ich mich wehren?
Natürlich zeigen viele Menschen im Web 2.0 jetzt schon Ihre komplette Biographie in Steckbrief-Form auf StudiVZ / MeinVZ / SchülerVZ, Facebook, Xing und vielen weiteren Seiten. Warum auch nicht? Der Arbeitgeber freut sich sicherlich, wenn er sieht, dass der potentielle Mitarbeiter nicht nur ein langweiliger Bürogaul ist, sondern in seiner Freizeit auch ordentlich feiern kann und er sich Montags auf eine leckere Fahne einstellen kann. Warum sollte er nicht wissen, dass Sekretärin Müller auf Fesselspielchen steht und Vorstandsvorsitzender Meier letzte Woche im Vollsuff Fahrerflucht begonnen hat, was er freudig in Twitter mitteilte?
Diese Beispiele sind natürlich extrem und selbst dem coolsten Hauptschulabschlußbesitzer sollte klar sein, dass die Selbstdarstellung selbst hier Grenzen aufweisen sollte, aber es muss nichtmal in diesem Ausmaß eine Offenlegung geben, um kritische Daten ans Licht zu bringen: Kevins Gruppen im StudiVZ heissen unter anderem “Lesen ist für alte Leute” und “Ich kann auch ohne Spaß Alkohol haben”. Diese Gruppen klingen im ersten Moment sehr lustig, aber dass der Chef denkt, er sei wenig Wissbegierig und bringe nicht die nötige Ernsthaftigkeit mit in den Beruf, ist ihm vielleicht nicht klar.
Das schlimme ist nun leider nur, dass man diese Daten, die dargestellt werden, beeinflussen kann – Dies kann man bei den ermittelten Daten von Google nicht. Wäre es nicht peinlich, wenn man zusammen mit der Freundin vor dem Rechner sitzt, nach Weihnachtsgeschenken googled und als erste fünf Ergebnisse Seiten mit leicht bekleideten Damen angezeigt werden?
Wie kann ich mich wehren?
Die einzige Lösung im Moment: Löscht Eure Cookies. Cookies sind seit jeher Feind der Privatsphäre und speichern mehr, als Euch lieb ist. Ich finde es immer wieder amüsant, Freunden zu zeigen welche Seiten Sie besucht haben, obwohl sie doch ihre Spuren verwischt haben. Ihr meint Ihr seid besser getarnt? Dann schaut doch mal in
C:\Users\EUER_BENUTZERACCOUNT\AppData\Roaming\Macromedia\Flash Player\#SharedObjects
Na, überrascht? Hier solltet Ihr auch in regelmäßigen Abständen Eure Daten löschen, denn diese werden sonst für alle Ewigkeit gespeichert. Von Google kommt der Hinweis:
Sind Sie in keinem Google-Konto angemeldet, werden Ihre Suchergebnisse auf der Grundlage bisheriger Suchanfragen angepasst, die in Ihrem Browser-Cookie gespeichert sind. Gehen Sie folgendermaßen vor, um die verlaufsbasierten Anpassungen zu deaktivieren: Klicken Sie oben rechts auf der Suchergebnisseite auf Webprotokoll. Klicken Sie auf der daraufhin angezeigten Seite auf Anpassungen deaktivieren. Da diese Einstellung in einem Cookie gespeichert wird, wirkt sie sich auf jede Person aus, die den betreffenden Browser und Computer benutzt.
Was sollte ich noch wissen?
Google ist schon lange nicht mehr nur eine Suchmaschine. Spätestens seitdem YouTube von ihnen aufgekauft wurde hat Google die Macht über zwei der mächtigsten und beliebtesten Seiten in Deutschland und somit auch eine große Datneflut zur Analyse zur Verfügung.
Aber auch Dienste wie Google Mail, Google Desktop etc. sind kritisch zu Betrachten. Vor allem, wenn man an die Beta des Browsers “Google Chrome” denkt, bei der ein Hintergrundprozess “GoogleUpdate.exe” lief, der fleißig Google über das Surfverhalten informierte und angeblich sogar Emailadressen an den Konzern übermittelte.
Fazit
Seit immer kritisch, wenn Ihr im Internet unterwegs seid. Das Internet ist längst nicht mehr so anonym, wie Ihr denkt und im richtigen Leben würdet Ihr wohl etwas länger zögern, bevor Ihr Visitenkarten durch die Innenstadt schleudert.
Weitere Beiträge zum Thema:
At-web.de: Angepasste Suchergebnisse für alle Besucher
Heise.de: Google personalisiert Suchanfragen auch von nicht angemeldeten Nutzern




